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Die Polizei - Freund und Helfer bei Rock am Ring


Überall präsent und Teil des Festivalbildes: Unsere Freunde in grün-weiss.

Wir haben uns gefragt:
Wie ist es, als Polizist an einem solchen Wochenende Dienst zu haben?
Tut sich jemand so was freiwillig an?
Eine Masse "in Schach" zu halten, die zahlenmäßig Ausmaße einer Großstadt annimmt?
Konfrontiert zu sein mit Menschen, die vielfach schon als "Assis" oder "Anarchisten"
bezeichnet wurden?
Und noch viele andere Dinge, die uns, und wir denken auch Euch, interessieren...
Wer könnte diese Fragen besser beantworten als der Einsatzleiter der Polizei am
Festivalwochenende?
Wir haben ihn besucht und er hat sich lange Zeit genommen für uns und unseren Wissensdurst.
Herr Wolfgang Bula ist Leiter der Polizeiinspektion Mayen, die verantwortlich ist
für die Groß-Events am Nürburgring.
Herr Bula ist 49 Jahre alt und seit 10 Jahren (mit den Einsätzen im Drogenbereich seit 1986) am Ring dabei. Zunächst in der Drogenfahndung, später dann als Chef des Ganzen.
Dieses Interview wurde am 6. Mai 2003 geführt und stellt die Situation der vergangen
Ring-Jahre dar. Wie es in diesem Jahr abgegangen ist, wird uns Herr Bula dann erzählen,
wenn der "Abschlußbericht Rock am Ring 2003" vorliegt. Dankenswerterweise hat er uns
Unterstützung bei weiterer Berichterstattung zugesagt.
So wird das Project-Team am Ring-Wochenende Gelegenheit haben, mal mit der Polizei auf Tour zu gehen. Unsere Eindrücke hiervon erfahrt Ihr an gleicher Stelle.
Und nun lest und staunt! Denn manches stellt sich ganz anders dar, als vielleicht bisher
vermutet, gehört oder gelesen...

Bevor wir unsere Fragen abgearbeitet haben, konnten wir ein wenig mit Herrn Bula plaudern. Gleich zu Beginn des Gespräches wurden wir äußerst positiv und komplett unerwartet überrascht! Oder hättet Ihr gedacht, dass der Einsatzleiter der Polizei unser "anarchistisches Festival" als seine Lieblingsveranstaltung betitelt? Wir auch nicht!

Nachgefragt, kamen wir allerdings auf uns bekannte Punkte:
Der Flair, das grundsätzlich außerordentlich FRIEDLICHE Miteinander, das fantastische Publikum, die Art, wie die Fans zu feiern wissen -das alles sieht und empfindet auch ein Ordnungshüter.
Na, das war ja mal ein Klopfer! Haben wir doch alle den Ruf der "asozialen Assis", die am Ring tagelang die totale Anarchie ausrufen. Wie oft kann man das in der Presse oder in diversen Internet-Publikationen nachlesen. Irgendwie kam offensichtlich noch nie mal jemand auf die Idee, dort nachzufragen, wo man es wissen muss: Bei der Polizei.
Sicher, es liegt auch am Auge des Betrachters. Führt ein älteres Paar an Pfingsten völlig unbedarft am Ring vorbei kommt es ihm natürlich so vor, als wäre der Krieg ausgebrochen. Aber, wenn man sieht, was dort gefeiert und veranstaltet wird, nämlich ein Rock-Festival, dann läßt sich das "vermeintliche" Chaos und es schärft sich der Blick für ein Ereignis der besonderen Art. Wenn man also Rock am Ring aus diesem Aspekt heraus betrachtet, kommt das dabei heraus, was es ist: Das friedlichste Happening seit Woodstock!

Hier nun unser Interview:

Wieviel Beamte sind vor Ort ?

Bei RaR 2002 waren insgesamt 636 Beamte eingesetzt. Die sind natürlich nicht immer alle gleichzeitig im Einsatz. Gearbeitet wird im Schichtsystem, teilweise sind die Beamten rund um die Uhr vor Ort. Es beginnt mit einer Präsenz von 8 Polizisten am Dienstag, führt hoch bis zu 191 in Spitzenzeiten und baut sich wieder ab bis 35. Der Einsatzleiter ist das ganze Wochenende über vor Ort.

Wie werden die Polizisten ausgesucht die am Ring Dienst machen? Sind das freiwillige?

Die Polizeidirektion Mayen ist für Großevents am Nürburgring verantwortlich. Jeder, der nach Mayen kommt wird gleich darüber informiert, dass er wenigstens an einem Veranstaltungswochenende Dienst machen muss. Sobald die Termine feststehen, können sich die Beamten ihr "Wunschevent" aussuchen. Daher sind es vielfach nur Freiwillige.

Wie fühlt sich ein Polizist an diesem Wochenende ? Ist es Stress pur ?

Eigentlich nicht. Der Einsatzleiter z.B. ist üblicherweise ein klassischer Innendienstler, der sich über willkommene Abwechslungen freut und gern am Ring Dienst tut. Grundsätzlich sehen und erleben auch viele Polizisten die besondere Faszination Nürburgring und arbeiten dort gern. Natürlich ist es bleibt es ein Sonderdienst, der manchen auch lästig ist. Die auffallende Präsenz vor allem jüngerer Beamter rührt daher, dass Stresssituationen, also ein "schwieriger Dienst" besser bewältigt werden.

Wie viele Unfälle gibt es im Schnitt pro Jahr?

Aus dem Erfahrungsbericht "Rock am Ring 2002":
24 Unfälle
10 x Personenschaden
4 x schwere Verletzungen
2 x unter Alkoholeinwirkung
3 x Unfallflucht
Es gab ausnehmend wenig Trunkenheitsfahrten im Vergleich zu den Vorjahren: 19
Raserei ist überhaupt nicht das Problem von Rock am Ring. Im Schnitt gibt es pro Jahr 25 - 40 Leute, die mit Alkohol am Steuer erwischt werden.

Die schlimmsten Unfälle?

Es gab einige böse Unfälle auf dem Ring, einer war aber besonders UNNÖTIG und von dem erzählen wir jetzt, als abschreckendes Beispiel. Auf dem Zeltplatz: Ein Junge krabbelt volltrunken aus seinem Zelt und fragt herum, wer noch lebensmüde sei. Findet auch tatsächlich einen Bekloppten, der sich meldet! Beide schwingen sich auf ihre Motorräder!
1 Minute später gab es einen Toten und einen Schwerverletzten !

Wieviel Schlägereien gibt es durchschnittlich ? Oder ist es insgesamt ruhig ?

Die Zahl der Schlägereien hält sich absolut im Rahmen. 2002 gab es 24 Anzeigen wegen Körperverletzung. Lobend wurde die Kommunikationsbereitschaft der Besucher erwähnt, mit der man viele Konflikte rasch beenden bzw. erst gar nicht entstehen lassen kann. Der "gemeine" Ringbesucher ist sehr friedlich und umgänglich. Oft ist der Alkohol der Auslöser für handgreifliche Auseinandersetzungen, wobei ein Unterschied zwischen Jung und Alt nicht festlegbar ist. Allerdings fällt es auf, dass bei älteren Besuchern der Alkohol offensichtlich nicht so zu Aggressionen führt.

Wie viele Drogen werden einkassiert ?

Wenig. Die meisten Leute führen nur ihren "Eigenbedarf" mit sich. Selten sind es harte Drogen. 120 - 250 Leute werden im Schnitt an dem Wochenende mit Drogen erwischt.

Wie ist der Verlauf der Drogendelikte in den letzten Jahren, steigend oder fallend??

Ganz unterschiedlich. Mal mehr mal weniger.

Wie sieht es aus mit Anzeigen ? Wieviele und welcher Art?

Problematisch und als am schlimmsten anzusehen sind die Diebstähle aus den Zelten, gleich gefolgt von PKW-Aufbrüchen. Wobei es ziemlich dämlich ist, Eintrittskarten und Bargeld gut sichtbar auf dem Sitz liegen zu lassen ( Anm. des Project-Team s). Auch Sachbeschädigung (zerkratzte, demolierte Autos z.B.) ist ein Thema. 2002, im Jahr der brennenden Dixi-Toiletten, wurden zahlreiche Leute auch erwischt. Insgesamt wurden 42 Dixi-Häuschen abgefackelt... Auch gefährliche Gegenstände werden immer wieder einkassiert (keiner braucht eine Kettensäge, schon gar nicht ein Besoffener, derweil auch kein Holz "gemacht" werden darf im Landschaftsschutzgebiet).

Wurden schon Leute in Gewahrsam genommen ?

Sicher. Es gibt immer wieder Leute, die unbelehrbar sind. Meist sind es Randalierer.
Auch kommt es schon mal vor, dass jemand derart betrunken ist, dass er gar nichts mehr rafft. Diese Leute versucht man möglichst wieder auf ihren Zeltplatz zu bringen. Manchmal werden sie auch an die Malteser oder an die Notfallseelsorge "abgegeben".
Durchschnittlich werden 3 - 4 Leute pro Tag kurzfristig "aus dem Verkehr" gezogen.
Unterm Strich hat Rock am Ring die Dimension einer Großstadt in der Zahlenordnung bis zu knapp 100.000 Besucher. Im Vergleich sind die Vorfälle bei Rock am Ring an einem Wochenende relativ gering!

Machen sie auch Patroulien auf anderen Campingplätzen außer der Nordschleife?

Es wird auf allen Plätzen patrouliert.

Welcher Campingplatz ist der schlimmste ?

ACHTUNG, TROMMELWIRBEL. Ein weiteres Gerücht wird ausgehebelt: A 7 ist es NICHT!
Eher der Übergang zwischen den B und C-Plätzen, dort eben auch, weil der Randstreifen eng ist und geparkte Autos oft die Zufahrten für Rettungsfahrzeuge versperren. Ansonsten gibt es kaum Unterschiede. Allerdings ist A 7 der lauteste Platz.

Sind zivile Polizisten auf dem Gelände?

Es gibt auch Zivil-Polizei auf dem Gelände.

Gibt es auch Videoüberwachung ?

Strategische Punkte, an denen immer wieder im Laufe der Jahre besonders viel passiert ist, werden besonders überwacht. Seitdem sind gravierende Dinge im Griff, Täter werden geschnappt und der Zugriffserfolg schreckt weitere Leute ab, ebenfalls straffällig zu werden.

Bestimmt die Polizei die Sicherheitsvorgaben?


Ausschließlich die Polizei. Denn die Polizei hat einen gesetzlichen Auftrag und damit das absolute Sagen.

Wie arbeitet die Polizei mit der Nürburgring AG zusammen?

Die Zusammenarbeit zwischen Nürburgring und Polizei ist sehr gut und sehr eng.

Wie oft treffen sich die verschiedenen Organisatoren vor der Ringzeit ?
Ist auch Herr Lieberberg dabei?


Es gibt verschiedene Treffen mit jeweils anderer Besetzung, je nach Thema. Auch Herr Lieberberg nimmt an solchen Besprechungen teil.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Security?

Meist wird immer mit den selben Security-Firmen zusammengearbeitet und die Zusammenarbeit funktioniert. Auch das Security-Personal hat polizeichlichen Anordnungen Folge zu leisten Dies deshalb, weil es kein Unterstellungsverhältnis im eigentlichen Sinne gibt. Es handelt sich um hoheitliches Handeln, also Staat gegenüber Bürger (nichts anderes ist das Security-Personal; es vertritt den Veranstalter/Hausherren und hat lediglich dessen Rechte also das Hausrecht. Häufig unterstützen diese Ordnungskräfte die Polizeiarbeit die Polizei ist aber dann ebenfalls anwesend. In jedem Fall aber sollte sich die Arbeit ergänzen.
Die Security hat das Hausrecht und darf z.B. Leute vom Gelände verweisen.
Wer ist da die Schnittstelle? Kompetenzverteilung?

Bei jeder Großveranstaltung wird ein Polizist abgestellt, der mit den Veranstaltern und allen Beteiligten an diesem Wochenende zusammensitzt. Dort läuft alles zusammen.

Ist es für die Polizei ein besonderer Einsatz und gibt es Parallelen
zu anderen Großveranstaltungen ?


Jedes Großevent ist ein besonderer Einsatz mit besonderen Herausforderungen.
Jede Veranstaltung ist anders, hat ein anderes Publikum.

Ob wir die Schlimmsten sind, wollten wir wissen?

NEIN, sind wir nicht. Auch für die Anwohner sind es nicht die Rock am Ring-Fans, die am meisten belasten! Es gibt andere Veranstaltungen, die mit mehr Lärm etc. verbunden sind.

Wie sieht die Polizei die neue Regelung beim Parken/Campen ?


Grundsätzlich steht man Neuem aufgeschlossen und positiv gegenüber.
Vorausschau und Bedenken:

Die Nordschleife wird wahrscheinlich aus allen Nähten platzen, weil dort noch das alte Campingsystem besteht. Vergangenes Jahr wurden 17 km "becampt". Das wird dieses Jahr nicht ausreichen!

Mit Besorgnis wird über das "wilde Campen" außerhalb der vorgegebenen Plätze nachgedacht. Rund um den Ring ist Landschaftsschutzgebiet mit absolutem Zeltverbot.
Grobe Schätzungen gehen von ca. 20.000 Nur-Campern aus. Ob die alle eine Karte nachkaufen bleibt abzuwarten.

Anhand der Nummern-Schilder der Autos hat die Polizei ca. 15 % der Festivalgäste aus Süddeutschland ausgemacht. Die werden sicher nicht wieder nach Hause fahren, die keine Karten haben und auch nicht kaufen wollen! wir dürfen gespannt sein !

Gibt es etwas, dass Sie an die Ringfans weitergeben wollen??

Jeder MUSS sich an Regeln halten. Das ist ganz wichtig für ein gutes, friedliches und gesundes Miteinander. Ganz wichtige Sache: NICHT mit Alkohol im Blut noch fahren!
Was schon besser geworden ist, aber immer noch oft genug nicht eingehalten wird:
Parken am Randstreifen. Die weiße Linie ist die absolute Grenze. Das ist keine Kleinkariertheit, sondern eine klare Vorgabe bezüglich Freihalten von Rettungswegen!
Das sollte jedem einleuchten. Die Polizei spricht keine Bußgelder aus und wer will, kann seine Abschleppgebühren vor Ort bezahlen, wenn er sein Fahrzeug abholt und die Sache ist erledigt. Es geht nicht um Geldmacherei sondern um die Sicherheit jedes einzelnen Gastes!

Das Project-Team dankt Herrn Bula sehr herzlich für die Offenheit
und die lange Zeit, die er für uns hatte!