Bad Religion
Bad Religion ist eine Punk-Band aus Los Angeles, die für ihre bissigen sozialkritischen und reflexiven Texte bekannt ist.
Werdegang
Die Gruppe mit dem markanten "Crossbuster"-Symbol wurde 1980 von Greg Graffin (Gesang), Brett Gurewitz (Gitarre), Jay Bentley (Bass) und Jay Ziskrout (Schlagzeug) vor dem Hintergrund der aufkeimenden US-amerikanischen Punk-Szene in Los Angeles gegründet. 1981 erschien auf Gurewitz' neu gegründetem eigenem Label Epitaph Records die erste, selbstbetitelte EP und 1982 das erste Album "How Could Hell Be Any Worse?", welches heute als eines der bedeutendsten Alben des frühen US-Westcoast-Punks angesehen wird. Nach einem brachialen Stilwechsel ("Into The Unknown", Epitaph Records, 1983) stieg der Großteil der Band aus, und viele Exemplare der Platte wurden von verärgerten Fans zurückgegeben; heute stellt dieses offiziell seitdem nicht mehr erhältliche Album jedoch ein begehrtes Sammlerstück dar. Ein Jahr später wurde mit "Back To The Known" eine EP veröffentlicht, auf der der ursprüngliche Stil wieder aufgegriffen wurde.
1987 fand sich die Band in der Fast-Originalbesetzung mit Greg Graffin, "Mr. Brett" Gurewitz, Greg Hetson (Gitarre), Jay Bentley und Pete Finestone (Schlagzeug) wieder zusammen, um ein neues Album aufzunehmen. Diese Platte, "Suffer" (Epitaph Records, 1988), bot etwas völlig neues im Punkrock-Bereich: schnelle, aber sehr melodische Songs mit den später für die Band typischen mehrstimmigen Gesängen und Hintergrundchören. Hinzu kam der klare Gesang Graffins, der durch exakte Aussprache und Metrik gekennzeichnet ist. Auch inhaltlich und lyrisch kreierten Bad Religion einen Stil, der von einer distanziert kommentierenden, akademisch, philosophisch und literarisch beeinflussten und von politischen und wissenschaftlichen Publizisten wie Noam Chomsky, Edward O. Wilson und Richard Dawkins inspirierten Weltsicht geprägt war und sich dadurch von den Stereotypen des Punkrocks abhob. "Suffer" gilt bis heute für viele als eines der besten Punkalben überhaupt. Als Liveact machten sich Bad Religion durch ihre energiegeladenen und publikumsnahen Shows in der Folgezeit schnell einen Namen, und noch heute geht die Band zu jeder neuen Veröffentlichung regelmäßig weltweit auf Tournee. Die Tour zum "Suffer"-Album führte die Gruppe im Jahre 1989 zum ersten mal nach Deutschland. Die anschließenden Alben "No Control" (Epitaph Records, 1989) und "Against The Grain" (Epitaph Records, 1990) knüpften nahtlos an den Stil von "Suffer" an.
Nachdem Pete Finestone 1991 die Band verließ, stieg Bobby Schayer am Schlagzeug ein, und es wurden "Generator" (Epitaph Records, 1992) und weiterhin "Recipe For Hate" (Epitaph Records, 1993) veröffentlicht, auf dem es einige kleine und teilweise Grunge-beeinflusste Stiländerungen und verschiedene Gastmusiker wie Eddie Vedder (Pearl Jam) und Johnette Napolitano (Concrete Blonde) zu hören gab. 1994 wechselte die Band zum Major-Label Atlantic, da Brett Gurewitz und Bassist Jay Bentley durch die Labelarbeit mit Epitaph insbesondere aufgrund des überaschenden Erfolgs des Offspring-Albums "Smash" (bei Epitaph) zeitlich sehr stark eingebunden waren und eine Trennung von Band und Plattenfirma vollzogen werden sollte. Auf ihrem Major-Debut "Stranger Than Fiction" (Sony/Atlantic Records, 1994) orientierten sich Bad Religion stilistisch aber wieder eher an den Alben vor "Recipe For Hate". Auch diesmal kamen mit Jim Lindberg (Pennywise), Tim Armstrong (Rancid) und Wayne Kramer (MC5) verschiedene Gäste zum Einsatz. "Stranger Than Fiction" ist bis heute das kommerziell erfolgreichste Album der Band.
Nach diesem Album verließ Brett Gurewitz aufgrund von Drogenproblemen und Streitigkeiten mit Jay Bentley die Band. Damit verlor die Gruppe einen wichtigen Songwriter, da bisher immer Graffin und Gurewitz fürs Schreiben der Songs verantwortlich gewesen waren. Trotzdem machten Bad Religion weiter, und es stieg mit Brian Baker einer der besten Gitarristen der Punkrock- und Hardcore-Szene in die Band ein. Dafür lehnte er sogar ein Angebot von R.E.M. ab, auf ihrer "Monster"-Tour als zusätzlicher Gitarrist mitzuspielen. Brian Baker spielte schon bzw. spielt heute noch in legendären Hardcore-Bands wie Minor Threat und Dag Nasty. Er beteiligte sich ebenso wie die anderen Bandmitglieder zwar in der Folgezeit an den Kompositionen, den Hauptteil des Songwritings musste jedoch Greg Graffin beisteuern. Knüpfte das nächste Album "The Gray Race" (Sony/Atlantic Records, 1996) noch an die Qualität der letzten Veröffentlichung mit Brett Gurewitz an, so vermochten die nachfolgenden Platten "No Substance" (Sony/Atlantic Records, 1998) und "The New America" (Sony/Atlantic Records, 2000) viele Fans und Kritiker nicht zu überzeugen und orientierten sich stilistisch teilweise eher an Greg Graffins folk-beeinflusstem Soloalbum "American Lesion" (Atlantic Records, 1997), als am klassischen Bad Religion-Sound. Brett Gurewitz veröffentlichte nach der Trennung nur die Single "Hate You" mit seiner neuen Band The Daredevils (Epitaph Records, 1996).
Nachdem Brett Gurewitz jedoch auf dem 2000er-Album "The New America" als Co-Songwriter des Songs "Believe It" wieder in Erscheinung trat und die Hoffnungen der Fans auf eine "Reunion" mit Bad Religion geweckt wurden, kehrte er im Jahre 2001 tatsächlich wieder zur Band zurück. Einher gehend mit dem Auslaufen des Vertrags beim Major-Label Atlantic kehrten Bad Religion wieder zurück zu Brett's mittlerweile zum größten Punk-Label der Welt gewachsenen Plattenlabel Epitaph Records. Darüber hinaus wurde Bobby Schayer, der wegen einer Schulterverletzung nicht mehr professionell Schlagzeug spielen konnte, durch Brooks Wackerman ersetzt. Er gilt als einer der besten Punk-Drummer, spielte schon bei den Suicidal Tendencies und The Vandals und stammt aus einer bekannten Musikerfamilie; sein Bruder Chad saß bereits beim legendären Frank Zappa hinter dem Schlagzeug. Mit diesem neuen Lineup, mit neuer Inspiration und der Klasse der früheren Veröffentlichungen erschien 2002 das Album "The Process Of Belief" (Epitaph Records, 2002), welches sich wieder am 1994er Werk "Stranger Than Fiction" orientierte und schnellen, energiereichen und melodischen Punkrock bietet. Mit Greg Hetson, Brian Baker und Brett Gurewitz konnten Bad Religion nun auf drei Gitarristen zurückgreifen, wobei Gurewitz aufgrund der Arbeit mit seinem Label auf den meisten Tourneen nicht dabei ist. Der Nachfolger "The Empire Strikes First" (Epitaph Records, 2004) knüpfte musikalisch wieder am typischen Stil der Band an und thematisierte diesmal vor allem politische Ereignisse wie den Dritten Golfkrieg. Zudem erschienen im gleichen Jahr remasterte Neuauflagen der Alben von 1982 bis 1992.
Im Herbst 2005 spielten Bad Religion zwei Abende hintereinander im Palladium-Club in Hollywood, ließen die beiden ausverkauften Shows mit zehn Kameras aufzeichnen und veröffentlichten den Mitschnitt als DVD. "Live At The Palladium" (Epitaph Records, 2006) kann als Retrospektive der bisherigen Bandkarriere betrachtet werden, die, ähnlich wie frühere Live-Videos ("Along The Way" und "Big Bang"), neben dem eigentlichen Konzert auch Interview-Teile und Videomittschnitte aus den Anfangstagen der Band umfasst. Derzeit arbeiten Bad Religion an einem neuen Album und darüber hinaus produziert Brett Gurewitz das zweite Solo-Album Greg Graffins.
Diskografie
Songtexte
* Punk Rock Song:
(übersetzt) „[...]schon mal den Tod gesehen? Hunderttausend Kinder sterben für Brot. Und die Zahlen lügen nicht, es ist die Krankheit der Menschen. Doch wir tun was wir wollen, wir denken wie es uns gefällt[...] Dies ist nur ein Punk Rock Song. Für die, die sehen, dass so nicht weitergeht. Wie Ameisen im Haufen sind wir programmiert. Aber es gibt immer mehr von dieser verfickten Art. Aber dies ist nur ein Punk Rock Song[...]“
* Change Of Ideas:
(übersetzt) „[...]so viele Theorien, so viele Vorhersagen, was wir jetzt benötigen, ist eine Änderung der Ideen. Wenn wir Angst haben, können wir uns verstecken in unseren Träumereien, trotzdem benötigen wir jetzt eine Änderung der Ideen[...]“
* 21st Century (Digital Boy):
(übersetzt) „[...]Ich kann es nicht glauben, wie du manchmal aussiehst, wie eine niedergetrampelte Flagge auf deiner Hauptstraße. Oh ja, und ich will all die Dinge nicht, die du mir unterjubeln willst; wie ein ferngesteuerter Roboter. Oh ja, ich bin ein digitaler Typ aus dem 21ten Jahrhundert, weiß nicht wie man lebt/liest, aber ich hab zumindest eine Menge Spielsachen[...]“
Studioalben
* 1982: How Could Hell Be Any Worse? (Epitaph Records)
* 1983: Into The Unknown (Epitaph Records)
* 1988: Suffer (Epitaph Records)
* 1989: No Control (Epitaph Records)
* 1990: Against The Grain (Epitaph Records)
* 1992: Generator (Epitaph Records)
* 1993: Recipe For Hate (Epitaph Records)
* 1994: Stranger Than Fiction (Sony/Atlantic Records)
* 1996: The Gray Race (Sony/Atlantic Records)
* 1998: No Substance (Sony/Atlantic Records)
* 2000: The New America (Sony/Atlantic Records)
* 2002: The Process Of Belief (Epitaph Records)
* 2004: The Empire Strikes First (Epitaph Records)
EPs
* 1981: Bad Religion (Epitaph Records)
* 1984: Back To The Known (Epitaph Records)
Livealben, Compilations, Neuauflagen
* 1991: 80-85 (Epitaph Records)
* 1995: All Ages (Epitaph Records)1997: Tested (Live) (Sony/Atlantic Records)
* 2002: Punk Rock Songs (The Epic Years) (Sony/Atlantic Records)
* 2004: How Could Hell Be Any Worse? (Remastered) (Epitaph Records)
* 2004: Suffer (Remastered) (Epitaph Records)
* 2004: No Control (Remastered) (Epitaph Records)
* 2004: Against The Grain (Remastered) (Epitaph Records)
* 2004: Generator (Remastered) (Epitaph Records)
Videos
* 1990: Along The Way (Live-Video) (Epitaph Records/Tribal Video)
* 1992: Big Bang (Live-Video) (Epitaph Records/Tribal Video)
* 1996: The Riot (Live-Video) (L.A. Access Video)
* 2001: The Riot (Live-DVD) (L.A. Access Video)
* 2004: Punk Rock Songs (Sony/Atlantic Records)
* 2004: Along The Way (Live-DVD) (Epitaph Records)
* 2006: Live At The Palladium (Live-DVD) (Epitaph Records)
Weblinks
* Offizielle Webseite
* Epitaph Records
* älteste Fanseite
* deutsche Fanseite
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