Kölner Stadtanzeiger
110 000 Fans rockten drei Tage rund um Ring und Park
VON Manfred Protze und Christine Schultze, 06.06.05, 09:36h
Mötley Crue
Vince Neil, Sänger der Band „Mötley Crue“, bei „Rock am Ring“.
'Rock im Park'
Bei „Rock im Park“ war es gut voll, nicht nur beim Auftritt von Green Day.
Nürburgring/Nürnberg - Mehr als 110 000 Fans haben am Wochenende beim größten deutschen Doppel-Festival «Rock am Ring» und «Rock im Park» ihren Stars gehuldigt. Von Punk- und Deutschrock über Heavy bis zum Trash Metal war bei dem dreitägigen Top-Ereignis vertreten, was Rang, Namen und auch Weltklasseformat hat.
Aber auch hoffnungsvolle Aufsteiger in der Szene hatten ihre Chance. Bis in die Nacht rockten die Fans zu den Auftritten ihrer Lieblingsbands und feierten eine überwiegend friedliche Riesen-Party. Wählen konnten sie unter mehr als 90 Bands.
Während sich das Wetter in Nürnberg durchweg von seiner besten Seite zeigte, rockte Petrus in der Eifel ein wenig anarchisch mit: Zum Festivalstart am Freitag drohte er noch mit Sonnenbrand - von Samstag an forderte er dann bei Regenschauern und steifen Brisen aus West Pullover und Regenzeug. Doch Besucher und Künstler trotzten den Naturgewalten: die Bands heizten ein - die Fans tanzten. «Das ist eben Open-Air und gehört dazu. Die Leute wissen das, bevor sie herkommen», sagte Veranstalter André Lieberberg.
Einen Höhepunkt erreichte das Festival an der Eifel-Rennstrecke am Samstagabend mit den Auftritten des Show-Rockers Marilyn Manson und der Metal-Legende Iron Maiden. Zehntausende rhythmisch in den Himmel gereckte Arme und kollektives Mitsingen ließen keinen Zweifel, dass sie zu den Publikumslieblingen gehörten. «Maiden bringt echt Alt und Jung zusammen», schwärmte Anna (17) aus Neuss. «Toll - auch wenn die von Maiden gebrachten Titel schon ein wenig betagt waren», stimmte Niklas aus Oldenburg grundsätzlich, aber auch kritisch zu.
Anziehungskraft entfalteten auch die Trash-Rocker von Slayer, die US-Band Mötley Crüe, die Rock-and-Roller von The Hives und The Chemical Brothers. Bereits am Freitag hatten die Punkrocker von Green Day sowie Incubus, The Prodigy, Apocalyptica und In Flames die Fangemeinde aus dem Häuschen oder ins Schwärmen gebracht.
In Nürnberg fiel das Sympathiebild nicht wesentlich anders aus. Vor ihren Auftritten am Nürburgring spielten sich dort unter anderen Billy Idol und die Hamburger Hip-Hop-Gruppe Fettes Brot in die Herzen der Fans. Zur Sache ging es auch mit der US-Band Slipknot, die mit ihren Furcht einflößenden Masken wie die Star-Besetzung aus einem Horrorfilm wirkt. Ihre brachialen Gitarrenriffs, Trommeleinlagen, die wie Maschinengewehr-Salven auf die Fans einhämmerten und das martialische Brüllen von Frontmann Corey Taylor brachte die Menge zum Ausrasten. Eher Entspannung für die Ohren bot dagegen die Rockgruppe R.E.M..
Polizei und Rettungsdienste zeigten sich mit dem Verlauf an beiden Spielorten zufrieden. Zu schwereren Zwischenfällen sei es nicht gekommen, berichteten Sprecher am Sonntag. Wie in früheren Jahren mussten jedoch mehrere hundert Besucher vorübergehend von Sanitätern oder Ärzten versorgt werden, die den Rausch der Musik mit Alkohol im Übermaß hatten steigern wollen. Am Nürburgring gingen der Polizei zudem zwei 27 und 28 Jahre alte Kartenfälscher aus Hamburg und Nürburg ins Netz. Sie hatten versucht, mit erweiterten Kopien eines Originaltickets in den Backstage-Bereich zu kommen.
Für Sonntag standen noch einmal fast 30 Rock-Bands unterschiedlichster Stilrichtungen auf dem jeweiligen Festival- Programm. Das Finale am Nürburgring gehörte einer Geburtstagsfete mit den «Toten Hosen» als Überraschungsband: «Rock am Ring» feierte seine Gründung vor 20 Jahren. (dpa)