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Im Rock zu Rock am Ring


Nürburgring. Es schüttet wie aus Eimern, das Thermometer pendelt sich irgendwo zwischen 6 und 16 Grad ein; Die Eifel - ein idealer Ort für ein Open Air Festival? Die ehrliche Antwort auf diese Frage kann nur Nein lauten. Und trotzdem feierte am Wochenende Europas größtes Open Air in diesem Jahr an genau diesem Platz sein 20jähriges Jubiläum - mit fast hundert Bands und gut 70 000 Besuchern. Herzlichen Glückwunsch "Rock am Ring".

Mittendrin Manfred. Wohl situiert, Ende vierzig, im wirklichen Leben erfolgreicher Geschäftsmann in Anzug und Krawatte. Am Ring trägt Manfred Rock - Schottenrock um genau zu sein. "Heißt doch Rock am Ring", lacht der Mann, den sein T-Shirt als Ringrocker der ersten Stunde outet beim "Zwischenbier" morgens um zehn an der Bar des Hotels.

"Angefangen haben wir aber im Zelt", wirft sein Freund ein, während Manfred schnell noch mal Zuhause bei Frau und Kind anruft. "Die Erika ist schon ok, die kennt das seit Jahren." Aber mit dem Sohnemann, will Papa dann doch noch nüchtern telefonieren.

Der ist übrigens nur ein paar Jahre jünger als Marie aus Ennepetal. Für die 16-Jährige ist es das erste Rock am Ring: "Mama hatte eine Karte über und ich wollte schon immer mit." HIM steht auf ihrer Wunschliste ganz oben. Und Marilyn Manson. "Den hatte ich mir irgendwie provokanter vorgestellt." Einen Eindruck, den auch alteingesessene Ringrocker an diesem verregneten Wochenende teilten.

Im großen und ganzen ließ die Auswahl im Jubiläumsjahr wenig zu wünschen übrig. Von den schwedischen Punk-Entertainern The Hives bis zu den Söhnen Mannheims - irgenwo fand jeder seine musikalische Nische. Und Veranstalter Marek Liebeberg hatte Wort gehalten: Er präsentierte bereits am Freitagabend mit REM ein seit Jahren gewünschtes Highlight. Obwohl Sänger Micheal Stipe und die Band bei Sturmwarnung alle Mühe hatten, den Ring zum Kochen zu bringen. Die 70 000 hatten sich bereits bei Green Day völlig ausgepowert. Ansonsten war es ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten: Allen voran am Samstagabend Iron Maiden. Die Ikonen des Heavy-Metal präsentierten sich wie schon vor zwei Jahren in allerbester Laune.

Gestern Abend feierte der Ring dann "Wir sind Helden" und anschließend gab es als "besonderes musikalisches Schmankerl zum Jubiläum" die Toten Hosen - mit Gastsänger Marek Lieberberg höchstpersönlich. Die Düsseldorfer Punkrocker waren damit zum zweiten Mal in Folge Headliner am Ring. "Im Gespräch waren auch die Foo-Fighters und die Böhsen Onkelz", bestätigte Lieberberg. Letztere waren aber wohl am Widerstand von Sponsoren und anderen Bands gescheitert.

Viel vorgenommmen haben sich die Veranstalter am Nürburgring auch für das kommende Jahr. Dann soll das Festival sogar vier Tage dauern. Denn 2006 fällt das erste Juniwochenende mit Pfingsten zusammen. Ein günstiger Termin für das Spektakel. Nach ersten Planungen spielen dann Depeche Mode, System of a Down und Linkin Park.

Mit dabei sein werden mit Sicherheit auch wieder Manfred und Marie. "Tolle Leute, super Stimmung, viel Tanzen", so das Fazit der Neu-Ringrockerin. Und im nächsten Jahr geht´s dann auch ins Zelt - ohne die Mama, aber vermutlich wieder mit viel Regen.