Monsters of Liedermaching
... und auch Fred, Pensen und Totte von den Monsters konnte Steffen für ein geistreiches Interview gewinnen ...
1. Wie steht ihr allgemein zu Festivals und Rock am Ring im Besonderen?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Ich war selbst schon zwei Mal als Besucher da. Rock am Ring ist einfach das fetteste Festival in Deutschland.
Totte: In Zeiten der totalen Bequemlichkeit, wo man alles per Tastendruck sehen kann, den Streß auf sich zu nehmen, da mehrere Tage zu zelten, Schlechtwetterfronten und ebenso schlechte Sanitärbedingungen in Kauf zu nehmen, um gemeinsam zu rocken, davor habe ich enormsten Respekt. Ein Glück, daß es so Menschen gibt, denen das Liveerlebnis wichtiger ist als zweidimensionale Comfortvortäuschung mittels TV oder Computer.
Fred: Festivals sind schön, weil man gleichzeitig Fan und Künstler sein darf: Viele Kollegen treffen, andere Bands angucken, frische Luft, drei/vier Tage lang in einer kleinen heilen Rocknroll-Welt verbringen.
2. Welche Festivals habt ihr privat schon besucht?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Rock am Ring und Hurricane jeweils zwei Mal und das Terremoto. Rock am Ring war dann immer ganz klassisch: Mit dem Zug nach Koblenz und von da aus getrampt. 1995 oder 96 war ich mal mit der Band Selig auf dem Gurten Festival in der Schweiz. Mein Cousin war früher Bassist bei Selig und die haben mich dahin mitgenommen.
Totte: Rheinkultur und kleinere Punkfestivals. Eine Rock am Ring Vergangenheit habe ich nicht.
Fred: Ich? Keins.
3. Was bedeutet es für euch bzw. würde es bedeuten bei Rock am Ring auf der Bühne zu stehen?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Das ist für einen Künstler das Größte überhaupt. Das wäre so geil mal auf der anderen Seite vom Zaun zu stehen und frei saufen, Fußball spielen und andere Bands treffen.
Fred: Sehr, sehr, seeehr viel.
Totte: Ein Traumziel!
4. Welcher Auftritt war für euch besonders spektakulär und warum?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Der allererste Auftritt mit den Monsters of Liedermaching. Die Leute kannten es nicht und wir selbst kannten es auch noch nicht. Es war einfach die reinste Freude auf und vor der Bühne. Und das erste Mal beim Open Flair.
Fred: Für mich auch das erste Mal mit den Monsters beim Open Flair in Eschwege. Als unbekannte Band an letzter Position am Sonntagabend nach dem Headliner spielen, und dann stehen plötzlich völlig unerwartet 3000 freundliche Menschen an unserer Bühne und diese Stimmung – genial!
Totte: Solo war für mich mal unglaublich, als ich in Leverkusen anläßlich eines Festivals, das sich über mehrere Clubs verteilte, die Nacht durch unverstärkt im Shuttlebus gespielt habe und sich da eine Wahnsinnsparty entwickelt hat, weil sich diverse Grüppchen Festivalbesucher dazu entschieden hatten, einfach die ganze Nacht im Bus zu bleiben. Der Busfahrer war enorm locker und hat Raucherlaubnis erteilt und an der End/Starthaltestelle ist dann immer wer ausgestiegen und hat Bier gekauft, dann gings wieder von vorne los. Das war Wahnsinn!
5. Was ist euch schon mal Peinliches auf der Bühne passiert?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: In Fulda hatten wir mal mit dem Barmann ein Stichwort ausgemacht und immer wenn das fiel, sollte er Schnaps auf die Bühne bringen. Irgendwann war ich so knülle, dass ich rückwärts von der Bühne gefallen bin und nicht wieder hoch kam.
Fred: Meines Wissens nur das Übliche: Text vergessen, Stadt verwechselt, aus Versehen das Publikum beleidigt.
6. Was gehört bei Euch zu einem guten Catering dazu?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Vollkornbrötchen! Helle Brötchen gehen mir inzwischen auf den Sack! Und aufgeschlossenes Personal, das nachfragt, ob noch etwas fehlt, auch wenn nichts fehlt.
Totte: Gutes vegetarisches Essen, das sich nicht nur auf mit Käse überbackenem Grünzeug beschränkt
7. Wie vertreibt ihr euch die Zeit im Tourbus?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Neuerdings mit dem Laptop, ansonsten rauchend und Musik hörend. Es wäre cool, wenn ich sagen könnte 'Bücher lesen', aber das mache ich nicht!
Fred: Als hauptamtlicher Fahrer der Monsters habe ich da nicht viel Auswahl, ich muß steuern und auf die Strasse gucken.
Totte: Neuerdings ist der Laptopwahn ausgebrochen, da sitzen 33% der Band vor ihren Bildschirmen im Bus. Gerne sitze ich neben Fred auf dem Beifahrersitz, herrsche mit ihm über den CD-Player und schlafe dann oft ein.
8. Mit welcher Band / welchem Künstler würdet ihr gerne mal zusammen auftreten?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Mit den Beatsteaks oder den Ärzten, international mit den Foo Fighters oder Queens of the Stone Age.
Totte: Zusammen ein Stück spielen? Mit den Toy Dolls (My girlfriends Dad’s a vicar)
Fred: Adriano Celentano, Rihanna, Helge Schneider, Heinz Strunk.
9. Wie seid ihr zur Musik gekommen und warum habt ihr sie zum Beruf gemacht?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Mein Vater hat selbst Gitarre gespielt und ich habe schon als Kind alles aufgenommen. Von Beatles bis Liedermacher. Mit 9 habe ich dann meine erste Gitarre bekommen. Und mein Cousin hat mich stark inspiriert.
Totte: Viele Onkel mit viel Musiksinn haben mich in Berührung gebracht, von Klassik bis zu The Who, zum Beruf hab ich sie nicht gemacht, das kam von alleine.
Fred: Der Klassiker: Blockflöte, Cello, Begabung und Lust gecheckt, Schülerband usw.
Einen besseren Beruf gibt´s kaum: ein paar Menschen glücklich machen, kreativ sein, ausschlafen, rumreisen, feiern. Wenn nur die nervige Buchhaltung und der ganze Business-Scheiß nicht wäre...
10. Wodurch lasst ihr euch beim Schreiben ihrer Songs inspirieren?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Ein witziger Satz oder ein Gesprächsthema mit anderen Leuten reicht oft für eine Idee. Und wenn ich schlechte Laune hab, schreibe ich lustige Songs um mich selbst wieder gut drauf zu bringen.
Fred: Durch den Alltag.
Totte: Durch den Haß auf Langeweile.
11. Welcher eurer eigenen Songs ist euer Favorit und warum?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: "Blasenschwäche", weil man immer die Lacher im Publikum hat.
Fred: Von den Monsters bei mir auch Blasenschwäche, weil es einfach eine gute Aussage hat.
Von mir selbst "Morgens um Acht", weil er mein Lebensgefühl auf den Punkt bringt.
Totte: Von den Monsters "Wir mögen Vermögen", weil er einfach einen wegweisenden Optimismus verkündet, von mir selbst momentan "Walgesänge", weil ich da mal was anderes probiert hab. Ich mag auch gern Wale retten.
12. Welche Band hat euch mal positiv überrascht und warum?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Immer wieder die Ohrbooten, weil die ein echtes Live-Erlebnis sind.
Totte: KIZ hat mich beim Ersthören durch ihre grundsätzlich gute und kluge Positionierung extrem positiv überrascht.
Fred: Prince hat mal nach seinem Stadionkonzert in Hamburg nachts noch ein 2-Stunden-Spontankonzert in der Großen Freiheit 36 gegeben. Er tingelte mit seiner Band über den Kiez, und die Bühne und das Ambiente hat ihm so sehr gefallen, dass er seinem Manager gesagt hat: "Ich will hier jetzt spielen, organisier´das mal". Das ist ewig lange her.
13. Was war die erste Platte / CD die ihr gekauft habt?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Meine erste Platte war Nevermind von Nirvana, die ich zum Geburtstag bekommen habe. Eine Viertelstunde später bekam ich dann noch die Kill 'em all von Metallica.
Totte: Ich glaube, Märchen aus 1001 Nacht. Da war dann aber ein Todesschrei drauf, deshalb konnte ich die nur einmal anhören.
Fred: "It´s a game" von den Bay City Rollers, eine Vinyl-Single für 6 Mark.
14. Welches Album habt ihr zuletzt gekauft?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Die Ärzte - Jazz ist anders
Totte: „Rage against the machine“. Gestern. Nachgekauft, weil mein Plattenspieler nicht mehr funktioniert.
Fred: Babylon by Boot von den Ohrbooten. Großartig!
15. Was ist euer Lieblingsalbum?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Jeff Buckley - Grace
Totte: Wechselnd. Einen der oberen Ränge belegen aber aber immer "Bedtime for democray" von den Dead Kennedys und "Haus der Lüge" von den Einstürzenden Neubauten.
Fred: "What does anything mean?" von The Chameleons.
16. Wem würdet ihr gerne mal die Meinung sagen?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: George W. Bush, aber das würde an meinem Englisch scheitern.
Totte: Kerner. Mehdorn. Bildlesern. Beckmann. Kein Ende in Sicht.
Fred: Auch Kerner und Beckmann, außerdem Bush und Koch.
17. Wie verbringt ihr eure Freizeit und wo kann man euch dabei treffen?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Mucke machen und alles, was mich dabei weiter bringt. Fußball spielen und im Fernsehen gucken. Mein Herz hängt an St. Pauli, im Stadion bin ich inzwischen aber eher selten.
Totte: Zuhause, da kann man mich treffen. Bei meiner Freundin auch.
Fred: Nichts besonderes, ich gehe gern feiern, an der Elbe rumlaufen, kann mich aber auch gut drei Tage zuhause einbunkern und, ja, 'nichts' machen.
18. Habt ihr vor Konzerten ein bestimmtes Ritual?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Rauchen und Trinken. (lacht) Ich hab gern ein bisschen Ruhe. Und ich muss wissen, dass meine Gitarre gestimmt ist!
Fred: Pinkeln, eine rauchen einmonstern und los!
Totte: Jawohl, das einmonstern. Eine sehr familiäre und Energieschaffende Maßnahme, wer wissen will, wie sie vonstatten geht kann entweder unsere DVD des „Männer wie uns“ Albums anschauen oder ein Konzert mit uns veranstalten.
19. Warum sollten Leute, die euch nicht kennen, eure Konzerte besuchen?
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Weil wir eine gewisse Lebensfreude vermitteln, dass nicht viele Bands machen. Das was zwischen den Songs passiert ist mindestens so wichtig, wie die Musik selbst.
Totte: Weil es sie und uns glücklich macht.
Fred: Um uns kennenzulernen. Monsters sind einfach die etwas andere Band!
20. Ein letztes Wort an die Welt:
Monsters of Liedermaching:
Pensen: Schaut nicht so viel fern! (Außer Fussi)
Totte: Hallo Welt: Entschuldigung.
Fred: Viel Glück!
Vielen Dank für das Interview!